Wahlprogramm für den Landkreis Bayreuth

Kommunalwahl 2026

Alle wollen regieren...

Wir wollen verändern!

Leitlinien: sozial · ökologisch · demokratisch – alle Forderungen fallen in die Zuständigkeit oder freiwillige Leistungskompetenz des Landkreises Bayreuth. Angaben beruhen auf den aktuellen verfügbaren Statistiken (2023/24).

Soziale Gerechtigkeit & Daseinsvorsorge

Der durchschnittliche Mietpreis liegt im Landkreis Bayreuth bei 9€/qm im Jahr 2025 (Stadt Bayreuth 11,30€/qm). Zudem fehlen mehr als 500 preisgebundene Wohnungen im gesamten Landkreis. 

Wir fordern daher, dass der Landkreis alle nötigen und möglichen Schritte ergreift, um eine Erhaltung des bezahlbaren Wohnraumes zu ermöglichen und einen Anstieg der Mietpreise auf dem Land nachhaltig zu verhindern. 

Hierfür eignen sich folgende Maßnahmen: 

  • Landkreis‑Wohnraumbörse und jährliche Bedarfsanalyse.
  • Fördertopf in Höhe von 1,5 Mio €/Jahr für genossenschaftliche Bauprojekte.
  • Kreis‑Bodenfonds: Ankauf strategischer Flächen und Vergabe dieser im 99‑jährigen Erbbaurecht.

Die Situation der Kinderbetreuung ist auch im Landkreis Bayreuth recht angespannt. Die Betreuungsschlüssel liegen allerdings im Normbereich. Genaue Fehlzahlen lassen sich für den Landkreis Bayreuth nicht ermitteln. 

Ein intaktes Betreuungsangebot ist elementar notwendig um Eltern, insbesondere Müttern, die Teilhabe am Berufsleben zu ermöglichen. Die Entscheidung ein Kind in die KiTa zu geben, darf deshalb nicht am Geldbeutel der Eltern festgemacht werden. 

Wir fordern deshalb das Betreuungsangebot im Landkreis für alle Familien gleichermaßen erschwinglich und nutzbar zu machen. 

Hierfür schlagen wir folgende Maßnahmen vor:

  • Elternbeitragszuschuss bis 200 €/Monat für Haushalte< 70 % Medianeinkommen.
  • Kostenfreies Bio‑Mittagessen in allen Kitas (Kreisanteil).
  • 24‑Stunden‑Kita‑Investitionsprogramm an Schichtstandorten.

Die Arztdichte im Landkreis Bayreuth ist mit 91,7/100.000 EinwohnerInnen extrem niedrig. Auch wenn die Stadt Bayreuth über eine deutlich bessere Versorgung verfügt, stellt gerade für ältere und auf den ÖPNV angewiesene MitbürgerInnen die ärztliche Versorgung im Landkreis eine Hürde dar. 

Die Hausarztdichte im Landkreis befindet sich mit 63/100.000 Einwohnern im Unteren Drittel der Statistiken. Bisher gibt es im Landkreis keine Beratungsangebote für queere Menschen und Transpersonen. 

Der Verwaltungsapparat ist noch nicht zu 100% barrierefrei. 

Wir fordern den Kreistag auf, alle nötigen Schritte zu ergreifen, um die ärztliche Versorgung auf dem Land langfristig zu stärken, das Beratungsangebot für alle Menschen zu verbessern und sowohl die Verwaltung barrierefrei zu machen als auch private Bestrebungen für einen barrierefreien Landkreis zu unterstützen! 

Folgende Maßnahmen eignen sich hierfür:

  • Mehr medizinische Versorgungszentren (MVZ) im Landkreis. Hierfür eignet es sich, sowohl für den westlichen Landkreis als auch das Gebiet Fichtelgebirge weitere MVZs zu schaffen, sodass insgesamt den BürgerInnen 3 MVZs im Landkreis zur Verfügung stehen.
  • Arztmobil als Ergänzung zu den Bereitschaftsdiensten der KVB.
  • Solidar‑Topf 1 Mio €/Jahr für Pflegepersonal‑Wohnungen, Jobticket, Fortbildungen zur Steigerung der Attraktivität des Landkreises als Wohnund Arbeitsort.
  • Vernetzte Beratungsstellen: Online‑Portal + jährlicher Vernetzungstag, um das Beratungsangebot im Landkreis zu stärken.
  • Einführung von Autismus freundlichen stillen Stunden in Einrichtungen des Landkreises und Unterstützung bei der Einführung jener in Supermärkten etc.

Verkehr, Umwelt & Energiewende

Ein bezahlbarer und gut ausgebauter ÖPNV ist einer der wichtigsten Schritte, um die Energiewende in Deutschland voranzutreiben. Solange nach wie vor ganze Ortschaften vom ÖPNV-Netz abgeschnitten sind und die BewohnerInnen des Landkreises auf Autos angewiesen sind, kann bei der Bevölkerung kein Umdenken stattfinden. Wir müssen die Möglichkeiten schaffen den ÖPNV für alle zugänglich zu machen, ohne den Geldbeutel der BürgerInnen zusätzlich zu belasten!

ÖPNV-Nutzung darf kein Luxusgut sein. Gerade Familien mit schulpflichtigen Kindern dürfen nicht darunter leiden, ihre Kinder mit Bus und Bahn in die Schule zu schicken. 

  • 0‑€‑Ticket für SchülerInnen, Jugendliche & Leistungsbeziehende
  • 365‑€‑Jahreskarte für alle anderen (1 €/Tag)
  • ÖPNV‑Guthabenkarten im Sozialticket

Um den ÖPNV für die NutzerInnen attraktiv zu halten und um ihn für mehr Personen im Landkreis attraktiv zu machen ist eine zuverlässige Anbindung unerlässlich. Dies betrifft nicht nur eine Verstärkung der Fahrpläne in den Hauptverkehrszeiten, sondern auch deutlich attraktivere Freizeitverbindungen an den Wochenenden (z.B. zur Therme Obernsees).

  • 30-Minuten-Takt für alle Hauptachsen des ÖPNV in Bayreuth
  • Erhaltung des 50/50-Taxis
  • Flächendeckend „Anruf-Linien-Taxi + On‑Demand“ anbieten
  • Stärkung der Freizeitverbindungen und Freizeitlinien des VGN
  • Informationsoffensive zu wenig bekannten Möglichkeiten wie dem Bürgerbus, Radlerbus oder den VGN-Freizeitlinien.
  • Verdopplung des Radwegenetzes bis 2030
  • 150 E‑Bike‑Ladepunkte im gesamten Landkreis, 50 % Zuschuss für die Gemeinden bei entsprechender Umsetzung

Der Landkreis Bayreuth sollte als Vorreiter bei der Energiewende fungieren. Hierzu gehört, den Anteil an erneuerbaren Energien in der Verwaltung auf 100% zu erhöhen. Bisher liegt der Anteil EE bei gerade einmal 57%. 

Unsere Maßnahmen: 

  • Gründung einer BürgerEnergie Bayreuth gGmbH– dieser werden Vorrangflächen & eine Stromabnahmegarantie eingeräumt
  • Wärme‑Solidarfonds 2 Mio €/Jahr (freiwillige Beiträge + Haushalt) für Nahwärmenetze & Solarthermie in einkommensschwachen Quartieren.
  • Nachrüsten von Solarpanelen auf allen Dächern des Landkreises (Außenstellen, Büros, Schulen).
  • Solardachbonus in Höhe von 50 % für Vereine
  • Einrichtung eines Klimabudgets: Maximal 4t CO₂ pro Kopf bis 2030

Bildung, Kultur & Digitalisierung

Bildung darf keine Frage des Einkommens der Versorger sein. Kinder aus finanziell schwachen Familien werden bis heute strukturell benachteiligt. Oft können sich Eltern keine teuren Geräte, hochwertiges Mittagessen oder Förderangebote wie Nachhilfeunterricht leisten. Wir fordern den Landkreis auf, sich an der Beseitigung solcher Ungerechtigkeiten aktiv zu beteiligen und in den von ihm verwalteten Schulen alles Nötige zu unternehmen, um diese sozialen Ungerechtigkeiten auszugleichen.

Zu modernen Unterrichtskonzepten gehört auch das eigenverantwortliche Arbeiten mit digitalen Hilfsmitteln. Das bewusste Einsetzen von KI und Google gehört mittlerweile zu den Kernkompetenzen, die in der Schule vermittelt werden sollen. Hierfür ist eine flächendeckende W-LanVerbindung in den Schulen und ein unkomplizierter Zugang zu Endgeräten unerlässlich. 

  • Stabiles WLAN in allen Klassenräumen.
  • Kostenfreie Leih‑Endgeräte (Second‑Life‑Pool)

Eine gesunde Ernährung ist essenziell für optimales Lernen und eine gute Gehirnleistung. Leider werden vor Allem frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse immer teurer, obwohl sie einkommensunabhängig auf jeden Speiseplan gehören. 

Um Kindern aus allen finanziellen Schichten ein reichhaltiges und gesundes Mittagessen zu ermöglichen, fordern wir: 

  • Kostenloses regionales Biomittagessen an allen weiterführenden Kreisschulen.
  • Zuschussprogramm für das Mittagessen an Grund‑ & Mittelschulen der Kommunen

Im Landkreis Bayreuth gibt es über 300 offene Stellen in Pflege und Handwerk. Diese Branchen gehören zu den Stützen unserer Gesellschaft und müssen sowohl hier als auch überall in Deutschland deutlich attraktiver gemacht werden. 

Wir fordern daher in der Erwachsenenbildung mehr Möglichkeiten zur Fortund Weiterbildung in diesen Branchen anzubieten. 

Unser Ziel: jährlich 50 fachliche + 20 politische Kurse (VHS / HWK)

Gute Arbeit, Wirtschaft & Rekommunalisierung

Der Landkreis Bayreuth muss als Arbeitgeber mit gutem Beispiel vorangehen, um faire Bezahlung bei all seinen zu vergebenden Aufträgen sicher zu stellen. 

  • Wir fordern daher einen Vergabe‑Mindestlohn von mindestens 15 €/h.
  • Wir fordern zudem den Landkreis auf, sich zur strikten Tarifbindung und Unternehmensmitbestimmung bei Kreisaufträgen zu verpflichten.
  • 800 000 €/Jahr zinsfreie Mikrokredite & Zuschüsse an Genossenschaften, Sozial‑Kooperationen, Dorfläden
  • Rückführung ausgelagerter Aufträge wie Reinigung, Catering oder IT zurück zum Landkreis zu Tarifbedinungen!

Demokratie & Bürgerbeteiligung

Als Verwaltungseinheit, die extrem nah an den BürgerInnen ist, ist es unsere Aufgabe, eben jene WählerInnen an den Entscheidungen und Prozessen, die dahin führen teilhaben zu lassen. Aktuell ist diese Transparenz kaum gegeben. Wir fordern das Landratsamt auf, den BürgerInnen klar zu vermitteln, wohin ihre Gelder fließen und auch Jugendlichen und SeniorInnen ein Mitspracherecht in Entscheidungen auf Kreisebene zuzugestehen.

  • Digitale Bürgerplattform mit Ratsinfo, eBeteiligung, Haushalt in Klartext
  • Bindende Bürgerentscheide auf Kreisebene nach gesetzlichem 10 %- Quorum
  • Einrichtung eines Kreis‑Jugendrates mit Rede‑ & Antragsrecht
  • Beratender Senior:innen‑Rat in allen Sozial‑ & Bauausschüssen

Quorum absenken: Der Kreistag initiiert einen Gesetzesentwurf, um das Bürger entscheid‑Quorum auf 5 000 Stimmen oder 5 % der Stimmberechtigten zu senken.

Sonstiges

  • Sanierung des Tierheimes Himmelkron vorantreiben
  • Katzen‑Kastrationsprogramm einrichten
  • Einrichtung eines Feuerwehr-Campus in Bayreuth – Tariflohn, moderne Ausbildung
  • Einrichtung eines Notfall‑Reservelagers für Wasser, Notstrom & Sandsäcke (rotierender Vorrat aus Sozialwirtschaft)

Finanzierung

solidarisch & solide

SäuleMaßnahmeNetto-Erträge p.a.Status/Start
1. UmlageKreisumlage +4 – 6 %-Pkt. + Härtefallfonds5 – 7 M  €ab Haushaltsjahr 2027
2. WertschöpfungGewinn & P BürgerEnergie gGmbH2 – 4 M €ab 2028 – ab dann 15+ MW Wind/PV in Betrieb
 Flächenpacht Wind/Solar (Deponien etc.)0,8 – 1,2 M €ab 2026 (1. Tranche 35 ha)
 Dividenden Sparkasse + Abfallbetrieb0,5 – 1 M €laufend
 Recyclingerlöse & Restmüll-Tarifstaffel0,3 – 0,5 M €ab Gebühren periode 2027
3. HebelTourismusbeitrag (Zweckverband)0,5 – 1 M €Satzung 2026, Inkraft 2027
 Green Bonds (20-J., 0,6 %)Invest: 10 – 20 M  €ab 2026 für PV, Sirenen, Wärme
 Landes-/Bundesförderung & EFRE60 % Zuschuss der investiven Kostenprojektbezogen